Prof. Dr.-Ing. Petra Friedrich führt durch das Living Lab für Assistenztechnologien in Kempten

| Hochschule Kempten / Karl-Josef Hildenbrand
21.02.2022

Teilnehmerrekord beim AKML

Wie geht es weiter in der Pflege? Welche Strategien, welche Technologien sind nötig, um die Pflege in Kliniken, Seniorenheimen und nicht zuletzt auch zu Hause zukünftig gewährleisten und verbessern zu können?

Brandaktuelle Fragen, die viel diskutiert werden - alle Forschungen und Lösungsansätze, die in diese Richtung gehen, finden extrem großes Interesse. Das hat der Vortrag "CARE REGIO - Pflege digital neu gedacht" von Prof. Dr.-Ing. Petra Friedrich in der Veranstaltungsreihe des VDE-Arbeitskreises Medizintechnik & LifeSciene Electronic (AKML) am 8. Februar 2022 deutlich gezeigt. Die Professorin ist an der Hochschule Kempten die Koordinatorin des Projekts CARE REGIO: Ein vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) gefördertes Verbundprojekt im Regierungsbezirk Schwaben, der damit Leitregion für digital unterstützte Pflege wird.

85 Personen hatten sich zu der Online-Veranstaltung eingeloggt, das ist ein neuer Rekord für den AKML. Vornehmlich kamen die Teilnehmer*innen aus der medizintechnischen Forschung und aus der Pflegebranche, aus Kliniken, von Pflegediensten, aus Universitäten und Hochschulen und von StartUps.

Friedrich erklärte den Zuschauer*innen das Ziel des Projekts, an dem gleich vier Universitäten und Hochschulen sowie das Universitätsklinikum Augsburg beteiligt sind: Vor allem sollen durch den Einsatz technisch-digitaler Systeme Pflegekräfte und pflegende Angehörige entlastet und die Pflegebedürftigen unterstützt werden; solche Systeme werden im Projekt entwickelt und getestet. Dabei werde ein großes Augenmerk darauf gelegt, dass ältere Menschen möglichst lange zu Hause leben könnten. In der gewohnten Umgebung bleiben zu können, das wünschten sich die meisten Menschen, so Friedrich.

Welche technischen und intelligenten Systeme bereits entwickelt wurden, um beim Wohnen zu Hause und in der Pflege zu unterstützen, zeigte die Professorin anschließend bei einem Live-Rundgang durch den „Technik-Hub“– das Living Lab (Reallabor) für Assistenztechnologien der Hochschule Kempten. In eine voll eingerichtete Musterwohnung wurden unterschiedlichste technisch-digitale Systeme eingebaut, etwa ein Fußboden mit Sturzsensorik, biodynamisches Licht und ein Bett mit Aufstehhilfe. Friedrich und ihre Mitarbeiter*innen demonstrierten die Funktionen der intelligenten Toilette mit Urinsensorik und das integrierte telemedizinische System COMES, das die Vitalwerte der Bewohner auf Wunsch direkt an den Arzt weiterleiten kann.

In der anschließenden Diskussion lagen die Kosten für derartige Systeme und die Finanzierung immer wieder im Zentrum der Fragen. Für Entwicklung, Anschafffung und Installation solcher technisch-digitalen Systeme seien zwar gewisse Investitionen nötig, so Prof. Dr. Bernhard Wolf, der Leiter des AKML, der im Steinbeis-Transferzentrum Medizinische Elektronik selbst an intelligenten Systemen forscht. In der Gesamtbetrachtung sei eine digital unterstützte Pflege aber die günstigere Variante, ist sich Wolf sicher. Und sie schaffe bei den Pflegekräften zudem Freiraum für eine entspannte Fürsorge gegenüber den Pflegebedürftigen.

Das könnte Sie auch interessieren: