Besuch Flugwerft
Alfred Geiger
12.07.2018 Schleißheim 82 0

Flugwerft Schleißheim

Der Seniorenkreis des VDE Südbayern besucht die Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums

Bericht von Dr. Jürgen Gutmann

Nach dem unser Organisator Herr Geiger alle Teilnehmer vor einer Anfahrt mit dem PKW gewarnt und die öffentlichen Verkehrsmittel empfohlen hatte, trafen am 12. Juli 2018  21 Senioren pünktlich gegen 10 Uhr am Eingang der Flugwerft ein. Herr Ziegler empfing die Schar bei schönem Wetter vor dem Eingang, und erklärte zur Einführung die über 100jährige Geschichte und den historischen Bau. Die Fassade war in Anlehnung an das in naher Nachbarschaft vorhandene Schleißheimer Schloss gestaltet. Hinter dem Bauwerk befindet sich ein Flugplatz, der heute noch benutzt wird. Die alten Hangars werden von akademischen Fluggruppen genutzt.
Nach dem Eingang kamen wir in eine hohe Ausstellungshalle mit einer kühn konstruierten Stahlbetondecke, die durch Glaselemente unterbrochen war, und die dort ausgestellten historischen Flugzeuge - meistens Doppeldecker in Holzkonstruktion - hervorragend beleuchtete. Allen bekannt war noch der „Fieseler Storch“, der in Erdnähe langsam fliegen konnte, und ausgestellte Seitenfenster besaß, damit man während des Flugs die Fauna der Erde sehen konnte.
Der Zugang zu der Halle mit den moderneren Flugzeugen führte durch die Ausstellung der ersten Flugversuche. Dort konnte man den Gleitflugapparat bewundern, mit dem Lilienthal unzählige Flugversuche durchgeführt und damit die theoretischen Grundlagen für das Fliegen geschaffen hat.
Die Entwicklung der moderneren Flugzeuge war eng verknüpft mit der Entwicklung der Antriebssysteme. Der Kolbenmotor in Sternanordnung, der mit Luftkühlung auskam, war der Standardantrieb für Jahrzehnte. In den Vierzigerjahren wurde die Entwicklung der Strahlantriebe forciert. An einem Modell wurde anschaulich gezeigt, wie die Luft angesaugt und in die Brennkammer gepresst wird. Dort wird der Kraft-stoff eingespritzt, damit eine schnelle Verbrennung mit Volumenvergrößerung entsteht, die dann die Ansaug-Turbine antreibt und als Strahl nach außen geführt wird.
Die Flugwerft repariert nicht nur Flugzeuge, sondern beherbergt ca. 70 Flugzeuge, die zum Teil noch flugfähig sind. Der Reigen beginnt mit Kunstflugzeugen, mit den z.B. einst Udet seine Kunststücke vorführte. Es gibt auch Flugkörper, die von Privatpersonen gebaut wurden. Mit einem selbst gebauten Flugzeug wollte z. B. eine Familie mit 3 Kindern aus der DDR nach Westen flüchten, wurde aber noch einen Tag vor dem geplanten Flug entdeckt und verhaftet.
Die Propeller der älteren Flugzeuge sind aus Holz gefertigt, um Gewicht zu sparen. Die Jagdflugzeuge aus dem 1. Weltkrieg waren mit starr eingebauten Maschinenge-wehren ausgerüstet. Damit der Propeller beim Schießen nicht getroffen werden konnte, waren die Schusssalven mit dem Propeller synchronisiert. Die Propeller-maschinen im 2. Weltkrieg konnten bereits Fluggeschwindigkeiten von 700 Km/h erreichen. Erheblich schneller waren dann die Jagdmaschinen mit Strahlantrieb, die ab 1944 flogen. Die amerikanischen Bombenflugzeuge konnten nach Kriegsende ihr Image als „Rosinenbomber“ während der Berliner Blockade wieder aufbessern. Aber auch nach Kriegsende wurde weiter entwickelt. Wichtig waren Senkrechtstarter, die keine lange Rollbahn benötigen. 3 unterschiedliche in Deutschland entwickelte Typen waren serienreif, wurden aber nicht gebaut.
Friedlicheren Zwecken dienen die Segelflugzeuge, die teilweise auch von Studenten-gruppen gebaut werden. Eine besondere Bauart eines Nurflüglers kann man neben normalen Segelflugzeugen ebenfalls in der Sammlung bestaunen. Schließlich konnten wir noch die Entwicklung der Hubschrauber studieren, die heute vor allem von der Polizei und zur Rettung eingesetzt werden. Dies war ein besonderes Erlebnis, weil unser Führer als Pilot diese selbst geflogen hat und noch immer fliegt. Probleme und Beispiele von Bergrettungen konnte er uns anschaulich schildern.
Zum Schluss unseres 3-Stunden-Rundgangs konnten alle Teilnehmer bescheinigen, dass wir in der Person von Herrn Ziegler einen hervorragenden Führer erlebt und viel gelernt haben.

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