Aktive Energienetze im Kontext der Energiewende - Kolloquium
Dr. Rainer Lüder
22.05.2013 München Veranstaltungsinformation 65 0

Aktive Energienetze im Kontext der Energiewende

Anforderungen an künftige Übertragungs- und Verteilungsnetze unter Berücksichtigung von Marktmechanismen

Herr Heinrich Wienold, Sprecher der VDE Landesvertretung Bayern, stv. Vorsitzender des VDE BV Südbayern und Moderator des Abends, führte in die Thematik des 3. Münchener VDE-Kolloquiums ein:

Deutschland hat den beschleunigten Atomausstieg beschlossen und Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien vorgegeben. Im Kontext zu diesem „Apolloprogramm" sind die Konsequenzen für die technische Umgestaltung der Stromnetze zu „Smart Grids" in verschiedenen Studien des BMU, des BMWi, der BNA, der DENA, des VDE und anderer Organe in Teilaspekten untersucht. Allerdings mangelt es an einem Gesamtüberblick für die erforderlichen technischen Lösungen der in Verbindung mit dem Umbau auftretenden Probleme und für die notwendigen wirtschaftlichen Anreize, damit SmartGrids in Deutschland auch Realität werden.

Die VDE ETG-Task Force „Aktive Energienetze" hat die heutige Situation analysiert, die bisherigen Studien ausgewertet und darauf aufbauend sowie mit neuen Erkenntnissen eine Zusammenfassung notwendiger Entwicklungen technischer und regulatorischer Art in den Stromnetzen von der Übertragungsebene bis zu den Niederspannungsnetzen erarbeitet.

Herr Burkhard Frische, Mitverfasser der VDE-Studie, gab einen Überblick zu den technischen Lösungen und entwickelte Vorschläge zur künftigen Marktordnung. Er fasste zusammen:

1. Die Stromnetze der Zukunft sind in der Übertragungs- und Verteilungsebene weiter zu entwickeln, damit die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden kann.

2. Optimierungspotenziale sind zu erschließen mittels

  • Gesamtbetrachtung von Übertragung, dezentraler Erzeugung und Speicherung
  • Entwicklung und Einführung neuer Verfahren wie z.B.

       - Intelligentes Engpassmanagement
       - Bessere Prognosen in Übertragung, Verteilung und Handel
       - Innovative Schutz- und Automatisierungskonzepte
       - Informationsaustausch im Gesamtsystem der Stromversorgung
       - Smart Metering und Datenschutz

  • Kopplung von Netzbetrieb und Marktmechanismen

Die VDE-Studie regt darüber hinaus weitergehende systemübergreifende Untersuchungen und eine politischen Gesamtverantwortung für die Novellierung des Rechtsrahmens an.

In einem ergänzenden Vortrag erläuterte Herr Dr. Bernd Michael Buchholz das europäische Projekt Web2Energy. Hierbei wurden im 20 kV- Netz der HSE AG Darmstadt die 3 Säulen des Smart Grid in der Verteilungsebene entwickelt, installiert und erprobt:

  • Fernüberwachung und -steuerung von Ortsnetzstationen,
  • Koordination von verteilten Erzeugern, Speichern und steuerbaren Lasten,
  • Markteinbindung von Haushaltskunden mittels dynamischer Tarife.

Anhand der dafür getätigten Investitionen kann festgestellt werden, dass sich die Errichtung von Smart Grids in der Verteilungsebene unter den heutigen Marktbedingungen nicht rechnen. Anhand des geplanten Energiemixes in Deutschland für 2030 wurde eine perspektivische Marktordnung entwickelt und der Betrieb der 3 Säulen unter diesen Bedingungen untersucht.

Als Resümee kam Herr Dr. Buchholz zu folgenden Aussagen:

Smart Grids können sich wirtschaftlich nur unter innovativen Marktbedingungen entwickeln. Dazu gehören:

  • kurzfristigen Rückflüsse für die Smart Grid-Netzinvestitionen, beispielsweise durch Bonussysteme und variable Netzentgelte.
  • erneuerbare Erzeuger werden aktive Marktakteure. Der Vorrang der erneuerbaren Erzeugung wird durch das „Merit - Order- Prinzip" gesichert.
  • virtuelle Kraftwerke übernehmen die Bilanzierungspflicht der verteilten Erzeuger und generieren durch das Agieren auf mehreren Märkten wirtschaftliche Vorteile für alle aggregierten Teilnehmer.
  • Stromkunden sind aufgrund dynamischer Tarife mit signifikanter Spreizung bzw. von Sondertarifen in den Markt integriert.

Die Veranstaltung schloss mit einer angeregten Diskussion, die bei einem bayerischen Buffet bis spät fortgesetzt wurde.

Bericht: Lutz Imhof

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